Ich werde Stadtschreiberin in Trenčín!

Blick auf Trenčín von der Burg aus gesehen

Assoziative Synchronizität oder wie eins zum anderen passt

Im Mai 2025 habe ich zum ersten Mal Halt in Trenčín, auf Deutsch Trentschin und im Ungarischen Trencsén, gemacht. Bei meinen früheren Besuchen in der Slowakei bin ich immer nur mit dem Zug durchgefahren und habe durch das Fenster die markante Burg bestaunt. Weil mein Ziel meistens in der weiter entfernten Ostslowakei lag, hatte ich keine Zeit auszusteigen. Diesmal war ich in umgekehrter Richtung unterwegs und konnte für zwei Tage einen Zwischenstopp einlegen, um die (damals noch) zukünftige Kulturhauptstadt Europas kennenzulernen.

Das erste Mal Trenčín

Nach einem einmonatigen Aufenthalt im Rahmen eines Stipendiums für Übersetzer:innen in Banská Štiavnica/Schemnitz (mittelslowakische ehemalige Bergbauregion mit deutscher Vergangenheit) war ich in den slowakischen Osten gefahren, um meine ehemalige Gastfamilie und einige Freunde zu besuchen, die ich seit 15 Jahren nicht gesehen hatte. (Wer mehr wissen will, kann hier im Karpatenblatt nachlesen.)

Auf dem Weg von der Ostslowakei zurück nach Leipzig habe ich jeweils einen Zwischenstopp in Košice/Kaschau (Metropole der Ostslowakei), Trenčín/Trentschin und Brno/Brünn (zweitgrößte Stadt Tschechiens) eingelegt. Die anderen beiden Städte kannte ich bereits von früheren Besuchen, aber Trenčín war neu für mich. Am Bahnhof stieg ich aus dem alten Zug der Slowakischen Bahn und stolperte direkt in eine Baustelle, Vorzeichen für das nahende Kulturhauptstadtjahr. Die Stadt war dabei, sich herauszuputzen, auch wenn nicht alles pünktlich fertig sein dürfte. Zum Glück empfing mich mein Freund Andrej, ein Übersetzerkollege, der mich durch das Stadtzentrum seiner Heimatstadt führte und auf einen Kaffee einlud.

Zwei Personen auf einem Marktplatz mit einer Burg im Hintergrund.
Mit meinem Freund und Übersetzerkollegen Andrej Zahorák in der Trenčíner Innenstadt, Mai 2025

Der erste Eindruck war positiv, die Stadt hat mir direkt gut gefallen, weitläufige Plätze und spannende Architektur, fußläufige Sehenswürdigkeiten, die ruhig dahinfließende Waag und die berühmte Burg. Weil ich gerade einen Auszug aus einem Buch über Trenčín übersetzte, war ich gespannt, die Stadt zu sehen, damit es mir leichter fiel, mich hineinzuversetzen. An einem Abend spazierte ich nur umher und sog die Atmosphäre in mich auf, am anderen besuchte ich eine politische Diskussionsveranstaltung mit Ivan Korčok (ehemaliger slowakischer Botschafter in Deutschland, slowakischer Außenminister und unterlegener Präsidentschaftskandidat 2024), der in vielen Regionen der Slowakei unterwegs war, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Zur aktuellen politischen Situation in der Slowakei gäbe es viel zu sagen, aber das ist kein Thema für den Einstieg. Mein Kurzbesuch hat mir Lust gemacht, die Stadt näher kennenzulernen. Damals ahnte ich natürlich noch nicht, dass ich ein paar Monate später als Stadtschreiberin ausgewählt würde.

Trenčíns freundliche Altstadt, hier der Friedensplatz (Mierové námestie)
Foto: S. Bose (privat)

Tagebucheintrag vom 22. Mai 2025

Ich sitze im Café Coffee Sheep, gleich neben dem beeindruckenden Grandhotel Elizabeth. Ein modern eingerichtetes gemütliches Café mit großen Bücherregalen, Pflanzen und einer breiten Fensterfront. Am Nebentisch sitzen drei Personen, die auf Englisch in ein Gespräch vertieft sind. Sie diskutieren über Projekte für das Kulturhauptstadtjahr, welche Flächen welchen Eigentümer haben und wofür sie vielleicht genutzt werden könnten.

Ich trinke Holunderblütentee mit Honig und esse dazu ein Stück hausgemachten Pekannusskuchen. Die Preise sind so hoch wie in Deutschland. Wie die Slowaken, deren Durchschnittsverdienst wesentlich geringer ist, überhaupt ins Café gehen können, bleibt mir ein Rätsel.

Die Stadt ist prijemná (angenehm), sowohl príma als auch jemná (sanft). Klein, ruhig, entspannt. Eine hübsche Altstadt, aufgeräumt und sauber. Die eindrucksvolle Burganlage wacht über die vielen Cafés, helle Farben, sonnig im Herzen, obwohl das Wetter etwas trüb ist. Eine Wohlfühlstadt.

Trenčín 2026 – Programmvorschau, Foto: S. Bose (privat)

Einige Monate später

Anfang November 2025 erhielt ich eine E-Mail.

Betreff: Entscheidung.

Die Jury hatte also eine Stadtschreiberin oder einen Stadtschreiber für die Kulturhauptstadt Europas 2026 – Trenčín ausgewählt. Mit einem leicht flauen Gefühl in der Magengegend klickte ich auf die Mail.

„Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können …“

Ich freute mich auch sehr und freue mich immer noch.

Was für eine wunderbare Chance! Was für ein Abenteuer!

Zur Vorfreude kamen Pläne und Ideen. Organisatorische Fragen musste geklärt werden.

Mein Übersetzungsprojekt (mit Trenčín als Handlungsort) musste fertiggestellt werden. In Gedanken war ich schon oft durch diese Stadt gewandert, während ich nach den richtigen Worten für die Übersetzung von Spomenieš si na Trenčín? (Denkst du noch an Trenčín?, Allee Verlag, März 2026) des Trenčíner Autors Lukáš Cabala gesucht habe.

Gefunden habe ich dabei außerdem viele Anknüpfungspunkte, die sich sicher in dem einen oder anderen Blogbeitrag wiederfinden werden.

Bis dahin ist noch viel zu organisieren.

Die Vorfreude steigt.

Ahoj Trenčín 2026!

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