Spannende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus!

Die Donau in Bratislava (c) Stefanie Bose

Auf der Donauwelle Richtung Trenčín

Als Übersetzerin habe ich eine enge Beziehung zur Literatur an sich und zur slowakischen (und tschechischen) im Besonderen. Da kommt es mir sehr gelegen, dass die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr das Fokusthema Donau gewählt hat (und Tschechien Gastland der Frankfurter Buchmesse ist). Auch Stadt und Region Trenčín und das Deutsche Kulturforum östliches Europa sind auf der Leipziger Buchmesse mit Stand und Veranstaltungen vertreten. Wer in Geografie aufgepasst hat, weiß, Trenčín liegt gar nicht an der Donau, sondern an der Waag. Aber die Waag fließt in die Donau, und die Donau fließt unter anderem durch Pressburg/Bratislava. Panta Rhei.

Die Leipziger Buchmesse – Fokusthema Donauraum

Meine eigene fünfmonatige Reise beginnt zwar erst im Mai. Doch die Ereignisse werfen ihre Schatten bereits voraus. Die Leipziger Buchmesse ist für mich sowohl als Leipzigerin als auch als Übersetzerin ein alljährlicher Termin, den ich gerne wahrnehme. Der Messetrubel, interessante Lesungen und Diskussionsrunden und der Austausch mit Kolleg:innen und Verlagen sind immer wieder eine Bereicherung. Trotzt der schwierigen slowakischen Kulturpolitik ist es mit vereinten Kräften gelungen, ein recht umfangreiches slowakisches Programm zusammenzustellen. Trenčín wird dabei eine wichtige Rolle spielen, sei es als Thema, am Slowakischen Nationalstand oder im Rahmen des diesjährigen Schwerpunktes der Leipziger Buchmesse „Donau – unter Strom und zwischen Welten“.

Neugierigen und denen, die vielleicht nicht selber nach Leipzig kommen können, empfehle ich die  Donau-Flaschenpost –  einen Podcast von und mit Stephan Ozsváth im Auftrag der Leipziger Buchmesse. In diesem Format habe ich „mein“ erstes kleines Interview gegeben, zu finden im Podcast #5 ab der 37. Minute.

Denkst du schon an Trenčín?

Ich freue mich sehr, dass pünktlich zur Messe meine erste vollständige Romanübersetzung erscheint. Gemeinsam mit dem Autor Lukáš Cabala und der Verlegerin Veronika Siska (Allee Verlag), aber auch mit Unterstützung des Deutschen Kulturforums östliches Europa, des Slowakischen Literaturzentrums, des Slowakischen Institutes Berlin und des Kreativinstitutes Trenčín (Trenčín – Európske hlavné mesto kultúry) und der Region Považie werden wir das Buch vorstellen und einen Blick auf Trenčín und die Slowakei werfen.

Und als könnte es nicht anders sein, trägt das Buch den Titel Denkst du noch an Trenčín?. Es ist eine Hommage an die Heimatstadt des Autors und eine Einladung, diesen kreativen mitteleuropäischen Ort kennenzulernen, damit man sich später an ihn erinnern und noch lange an ihn denken kann. Der Roman war 2025 für den Literaturpreis der Europäischen Union und 2024 für den slowakischen Preis Anasoft Litera nominiert. Ein besonderes Highlight sind die wunderbaren Illustrationen des Trenčín Künstlers Juraj Toman.

Denkst du noch an Trenčín?

In Denkst du noch an Trenčín? besucht die israelische Journalistin Tamara die Stadt, aus der ihre jüdischen Großeltern einst vertrieben worden waren. Sie spürt dem jüdischen Erbe Trenčíns nach, trifft auf einen Künstler, der sie in die Zeit der Tschechoslowakei mitnimmt, und macht schließlich die Bekanntschaft von Laura und Oliver. Währenddessen folgt der Antiquar Vincent, der mit Laura und deren Sohn Oliver befreundet ist, einer geheimnisvollen Spur, die ihn quer durch die Stadt, unter der Stadt hindurch und zu seltsamen Orte führt. Es passieren unglaubliche Dinge, eine Terrasse hebt ab, trügerische Lichter gaukeln über das Wasser des Flusses, verschwundene Orte erwachen zu neuem Leben und Zukunftsvisionen fließen in die Gegenwart ein. Plötzlich steht ein totgeglaubter Bernhardiner im Garten. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen in diesem spielerischen Text, der als ungewöhnlicher, prosaischer Reiseführer durch die diesjährige Kulturhauptstadt dienen mag. Gleichzeitig verhandelt er jedoch auch gesellschaftliche Themen, die viele beschäftigen, egal in welcher Stadt oder welchem Land sie leben. Und nicht zuletzt feiert er die Leidenschaft des Autors (und des Erzählers) für Bücher, Literatur und das Lesen, das heutzutage manchmal zu kurz kommt.

Denkst du noch an Trenčín? ist erschienen im Allee Verlag. Weitere Informationen für Presse und andere Interessierte gibt es beim Büro für Text und Literatur.

Was sonst noch los ist

Präsentiert werden aber auch zeitgenössische slowakische Gedichte in der Anthologie Junge Lyrik aus der Slowakei. Mladá poézia zo Slovenska (danube books Verlag), das Prosadebüt des queeren Autors Michal Tallo Alles in Ordnung, Liebe überall (Anthea Verlag, Ü. Mirko Kraetsch) sowie das neue Buch des in Deutschland schon recht bekannten Autors und Aktivisten Michal Hvorecky Dissident (Tropen Verlag/Klett-Cotta).

Drei Herren? Nur Autoren in der Slowakei? Das täuscht, bzw. hat sich zufällig so ergeben. Es gibt auch viele spannende Autorinnen, wie die im vergangenen Jahr eingeladenen Nicole Hochholzerová (Dieses Zimmer kann man nicht essen, danube books Verlag) und Ivana Gibová (Barbora, Gott und Katharsis, Drava Verlag), beide übersetzt von Marie Cermann. Aber auch die in der Lyrikanthologie Vertretenen sind hauptsächlich Frauen. In den aktuellen Ausgaben der Zeitschriften Ostragehege (Halle 5 Stand G217, gemeinsam mit dem Leipziger Literaturverlag ) und Lichtungen finden sich außerdem Romanauszüge und Kurzgeschichten slowakischer Autor:innen (weitere Literaturtipps gibt es im Laufe meines Blogs).

Am Donnerstagabend stellt sich die Kulturhauptstadt Trenčín im Rahmen der Diskussionsrunde Lokale Demokratie in autokratischen Gewässern: Slowakei, Ungarn, Serbien vor. Unter anderem soll der Frage nachgegangen werden, wie lokale Akteure eine tragfähige Gegenströmung bilden können – ein Ufer, an dem demokratische Prinzipien Halt finden, selbst wenn die nationale Entwicklung in eine andere Richtung treibt.

Zudem gibt es zwei Gespräche Genau so fängt es an – Ein Appell mit der in Trencin geborenen Dr. Eva Umlauf – deutsch-slowakische Kinderärztin und eine der letzten Holocaust-Überlebenden (siehe Buchmesse-Programm).

Die Texte und Gespräche mit den Autoren, Übersetzer:innen und Vertreterinnen Trenčíns bieten einen Einblick in die slowakische Kulturlandschaft und streifen das politische und gesellschaftliche Geschehen im Land. Wie schafft es Trenčín, sich als Europäische Kulturhauptstadt zu positionieren, in einem Land, dessen Staatspolitik in vielen Aspekten eine andere Richtung einschlägt?!

Neugierig geworden? Hier geht’s zu den Veranstaltungen:

Slowakisches Programm zum Download: hier

Tschechisches Programm: hier

Vorgeschmack auf die Zeit in der Slowakei

Ich freue mich auf diesen Vorgeschmack auf die Zeit in der Slowakei, die auf jeden Fall sehr intensiv und vielleicht auch schneller vorbei sein wird als gedacht. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Vielleicht kann ich einen Hauch von Chemnitz, das ja nur einen Katzensprung von Leipzig entfernt ist und als Europäische Kulturhauptstadt 2025 mit Trenčín schon gemeinsame Projekte realisiert hat, mitnehmen und im Laufe des Jahres Verbindungen suchen und herstellen.

Aber auch in die finnischen Kulturhauptstadt Oulu möchte ich den Kontakt knüpfen. Diese Stadt habe ich zwar nie besucht, aber in Finnland habe ich als Schülerin ein Austauschjahr verbracht, eine wunderbare Erfahrung, an die ich die besten Erinnerungen habe. Nicht zuletzt verbindet mich mit dieser speziellen slowakisch-finnischen Connection auch die slowakische Autorin Alexandra Salmela, die seit vielen Jahren in Finnland lebt, inzwischen in beiden Sprachen schreibt und 2025 mit dem slowakischen Literaturpreis Anasoft Litera ausgezeichnet wurde. Aus ihren Büchern für Erwachsene und Kinder habe ich bereits einige Auszüge übersetzt (teilweise veröffentlicht in Ostragehege und Lichtungen) und hoffe, dass es uns gelingt, einen Verlag für ihre Werke zu finden.

Da ist sie wieder, die Synchronizität. Es fügt sich und ich füge mich und freue mich auf die europäischen kulturellen Erlebnisse in Trenčín.

Mit der Leipziger Buchmesse ist der Veranstaltungsmarathon für mich jedoch noch nicht zu Ende. Am 23. und 24. März geht es mit „meinem“ Autor und anderen noch nach Berlin und Chemnitz:

23.03.2026 Themenabend Europäische Kulturhauptstadt Trenčín mit Maroš Borský, Lukáš Cabala, Michal Korhel, Brunhilde Reitmeier-Zwick, Eva Umlauf, Mária Volárová und dem Ensemble Hudba na tanieri (Musik auf dem Teller), in der Slowakischen Botschaft in Berlin (Info)

24.03.2026 Michal Ajvaz und Lukáš Cabala: Zwischen Spiegel und Erinnerung. Phantastische Lesewelten aus Leipzig und Trenčín, Stadtbibliothek (TIEZ) in Chemnitz (Info und PM)

Wahrscheinlich ohne mich, aber auch unbedingt empfehlenswert:

27.03.2026 Michal Hvorecký „Dissident“. Im Gespräch mit Patrick Wilden.  Eine Veranstaltung der Literarischen Arena in Kooperation mit dem Erich-Kästner-Haus für Literatur und der Evangelischen Akademie Sachsen Im Erich-Kästner-Haus, Dresden (Diskussion / Gespräch Lesung )

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