Reisevorbereitungen – Ausblick auf eine abwechslungsreiche Zeit

Leipziger Hauptbahnhof. Foto: privat, bearbeitet mit Canva.

Die Leipziger Buchmesse war voller spannender Erlebnisse und interessanter Veranstaltungen. Meine Übersetzung von Denkst du noch an Trenčín? wurde getauft, ich durfte den Autor endlich kennenlernen und mehr über seine Sicht auf Trenčín erfahren. Es gab viele anregende Gespräche mit den Messebesuchern und -besucherinnen: manche hatten schon von der Kulturhauptstadt Trenčín gehört, waren gar dagewesen, andere waren sehr positiv überrascht und einige hegten bereits Pläne für einen Besuch. Alles in allem ein gelungener Auftakt, der auch zur Steigerung meiner Vorfreude beigetragen hat. Die Buchmessewoche mit mehr als zehn slowakischen Veranstaltungen war sehr anstrengend, aber auch inspirierend. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis ich in Trenčín eintauchen werde, statt nur aus der Ferne von der Stadt zu schwärmen. Häufiges Thema war jedoch auch die, gelinde gesagt, „angespannte“ Situation in der Slowakei. Insbesondere die Kulturszene protestiert gegen die Entscheidungen der Regierung und die Lage hat sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt.

Vorfreude, schönste Freude oder Im Reisefieber

Nun steht die Abreise kurz bevor und ich packe meinen Koffer. Ich blicke mit Freude und Spannung auf die kommenden fünf Monate, die ich in Trenčín verbringen werde. Der Stadt, die mich auf den ersten Blick verzaubert hat. Die Stadt, die ich im Laufe meiner Übersetzung in vielen Facetten kennengelernt habe und von der ich in den vergangenen Wochen und Monaten so vielen Menschen vorgeschwärmt habe.

Als junge Erwachsene bin ich viel gereist und habe mehrfach lange Zeiträume im Ausland verbracht. Das ist alles lange her und die letzten 15 Jahre war Leipzig mein Lebensmittelpunkt. Nun ist da wieder dieses Kribbeln, das mulmige Gefühl im Bauch, die Vorfreude. Eine Reise in die Fremde kann ich es eigentlich nicht nennen, denn Land und Sprache sind mir nicht fremd. Ein Verlassen meiner Komfortzone ist es allemal. Ein willkommener Tapetenwechsel. Doch diesmal reise ich nicht allein … meine Teenager-Tochter begleitet mich (zumindest zeitweise).

Doch bevor wir in Richtung Trenčín aufbrechen, gibt es noch eine wichtige Frage zu klären: Was packt frau ein, wenn der XXL-Koffer für fünf Monate reichen soll und frau nicht nur Urlaub macht?!

Ein Zufallsfund

Während ich in den Tagen vor der Abreise damit beschäftigt bin, Dinge zu suchen und zurechtzulegen, die ich mitnehmen will, fällt mir eine alte Postkarte in die Hände. Seit wann sie in meiner Schublade schlummert und wo ich sie gekauft habe, weiß ich nicht mehr.

Miloš Alexander Bazovský:

Frau mit Krug, Öl, 1931,

Slowakische Nationalgalerie, 1993

Miloš Alexander Bazovský: Frau mit Krug, Öl, 1931, Slowakische Nationalgalerie 1993

Da war doch was. Im übersetzten Buch. Ein Name. Ein Schauplatz.

Bazovský war ein bedeutender slowakischer Maler, Begründer der Slowakischen Moderne. Gestorben ist er 1968 in Trenčín. Dort gibt es heute die Galéria Miloša Alexandra Bazovského (GMAB). Im Buch Denkst du noch an Trenčín? kommt die Galerie vor (S. 138):

„Dann traf sich Tamara noch ein letztes Mal mit ihrem Liebhaber und hoffentlich auch Freund. Er bot an, sie zum Flughafen zu fahren. Ein letztes Mal spazierten sie gemeinsam durch die Stadt, aßen im Laugarício zu Mittag und besuchten die aktuelle Ausstellung in der Galéria Miloša Alexandra Bazovského.“

Über die Ausstellung erfährt man im Buch nichts. Doch die Galerie ist auch Schauplatz für das Kulturhauptstadtjahr 2026. Die aktuellen Ausstellungen zeigen Werke des slowakischen Malers Stano Filko (neoavantgardistischer Konzeptkünstler) und Einblicke in Denkmalschutz und moderne Architektur des Kreises Trenčín (auch ein Thema, das im Buch angeschnitten wird).

In der Galerie beheimatet ist das Trenčíner Architekturzentrum (CATCentrum architektúry Trenčín), eine Plattform, die lokalen und regionalen architektonischen Besonderheiten und Themen eine internationale Dimension hinzufügen und besonders die Kommunikation mit der Öffentlichkeiten in den Vordergrund stellen möchte.

Das klingt schon aus der Ferne alles sehr interessant.

Bei meinen Spaziergängen durch Trenčín werde ich sicher in dieser Galerie vorbeischauen.

Doch nun heißt es erstmal Koffer packen und auf die Reise gehen.

Ich blicke aber auch mit gemischten Gefühlen in die Slowakei. Fast jeden Tag gibt es neue beunruhigende bis absurde Nachrichten. Die Social-Media-Posts meiner Bekannten und Freunde aus dem Kulturbereich sind ungewöhnlich lang. Einige müssen sich Luft machen, um nicht an der Situation zu verzweifeln, ihre Projekte aufzugeben, ins Ausland zu gehen oder sich zurückzuziehen. In den letzten Wochen hat es erneut massive Proteste von Medien- und Kulturschaffenden, Studierenden, Oppositionellen und anderen gegeben. Auslöser war die Streichung von bereits bewilligten mehrjährigen Fördergeldern für Kulturinstitution, Festivals, Zeitschriften, etc. Protestiert wird gegen die Eingriffe ins öffentliche Leben und insbesondere in die Kultur, aber auch gegen die Regierung an sich. Doch diese lässt das bisher an sich abprallen. Die seit 2023 amtierende Kulturministerin zerstört systematisch nicht nur die freie Kulturszene. Der Ministerpräsident orientiert sich am Beispiel Orban und schaut gerne Richtung Moskau. Dazu kommt ein Staatspräsident, der im Februar – statt zur Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres nach Trenčín zu fahren – ein Eishockey-Spiel besucht hat, immerhin im Rahmen der Olympischen Winterspiele in Mailand.

Für einen tieferen Einblick in dieses Spannungsfeld zwischen Kulturhauptstadtjahr und staatlicher Kulturpolitik empfehle ich folgende Beiträge: 

Zum Lesen: Kulturhauptstadt in der Slowakei. Trenčín trotzt Ficos Kulturpolitik (von Marianne Allweis, ARD Prag, 01.01.2026)

Zum Anhören: Podcast von Deutschlandfunk: Kulturhauptstadt – Trenčín in der Slowakei trotzt dem Abwärtstrend (Sendung: Hintergrund vom 02.01.2026)

2 Kommentare zu „Reisevorbereitungen – Ausblick auf eine abwechslungsreiche Zeit“

  1. Liebe Stefanie, ich finde es mutig und abenteuerlich, dass Du, wie Du schreibst, für 5 Monate Deine Komforzone verläßt … mit nur einem Koffer und bestimmt sehr vielen spannenden Themen/Fragen, auf die Du Antworten suchst. Du hast natürlich eine tolle Begleiterin. Ich wünsche Euch beiden alles Gute. Karin von Leselust

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