Das Zitat stammt vom US-amerikanischen Künstler Andy Warhol, dessen rusinische Eltern, die Varholas, übrigens aus der Nähe des ostslowakischen Ortes Medzilaborce (wo es ein Warhol-Museum gibt) nach Amerika ausgewandert sind.
Nicht nur im Juni hatte ich mehrfach Gelegenheit mit Journalist:innen zu sprechen. Das Thema Kulturhauptstadt ist attraktiv und immer wieder kommen Medienschaffende aus verschiedenen europäischen Ländern in die Stadt, um über das Programm oder einzelne Aspekte zu berichten. Die Akteure vor Ort werden häufig für Termine angefragt und es stehen Gästebetreuer:innen zur Verfügung, die sowohl von Trenčín 2026 als auch von der Region Považie, zu der Trenčín gehört, Programmvorschläge machen sowie Kontakte und Dolmetschende vermitteln. Von Seiten deutscher Medien besteht natürlich auch Interesse an meiner Arbeit und so wurde ich interviewt und begleitet oder durfte selber begleiten. Inzwischen sind einige schöne Artikel und für mich persönlich auch interessante Kontakte entstanden.
Rede und Antwort stehen – Was ist eigentlich eine Stadtschreiberin?
Schon vor meiner Reise nach Trenčín habe ich Grit Krause für den MDR ein Interview zu meinen Erwartungen an meine Zeit als Stadtschreiberin in der slowakischen Kulturhauptstadt Europas gegeben und wir haben lange über Interessen und Gemeinsamkeiten geplaudert. Den Beitrag Leipzigerin wird Stadtschreiberin in der Kulturhauptstadt Trenčín vom 01.05.2026 kann man online nachlesen oder auch anhören.


Auch das Alumni-Magazin meiner Alma Mater, der Universität Leipzig, hat einen Beitrag über mich veröffentlicht, für den ich ebenfalls schon vor meiner Reise in die Slowakei mit der Redakteurin Diana Smikalla gesprochen hatte. Darin geht es nicht nur darum, wie mein Studium meinen Lebensweg beeinflusst hat, sondern auch wie ich überhaupt zum Slowakischen gekommen bin und wie man sich als Kulturschaffende so durchschlägt.
Und natürlich ist von Trenčín 2026 eine Pressemitteilung zu meiner Ankunft und meinem Tun erschienen (auf Slowakisch und Englisch), obwohl die slowakische Bezeichnung mestská kronikárka (Stadtchronistin) zunächst immer mal wieder für Verwirrung und falsche Erwartungen gesorgt hat, denn ich dokumentiere natürlich nicht sämtliche Ereignisse der Stadtgeschichte und arbeite auch nicht in einem Büro im Rathaus. Gut, dass ich meine Stadtschreiberinnen-Postkarte habe, auf der alles kurz und treffend erklärt ist. Die habe ich immer dabei, aber auch in der Touristeninformation und in der Stadtbibliothek ausgelegt und schon mindestens zweimal nachgefüllt. Meine Follower-Zahlen bei Instagram steigen regelmäßig und ich freue mich über das Interesse und die daraus resultierenden inspirierenden Begegnungen.
Auslandskorrespondentin auf Kurzbesuch
Im Juni waren Marianne Allweiss und ihr Team für die ARD zu Besuch. Die Idee war, einen „ganz normalen Tag“ zu begleiten und zu filmen: Kaffeetrinken mit dem Autor in der Stadt, Arbeit am Laptop und Aufstieg zur Burg. Einen ganz so idyllischen Arbeitsmodus habe ich allerdings nicht, doch ein Beitrag muss auch immer eine Geschichte erzählen. Einen ganzen Nachmittag lang sind wir gemeinsam durch Trenčín „geschlendert“ und haben sowohl verschiedene Szenen für einen Fernsehbeitrag gedreht als auch für den Hörfunk aufgenommen. Highlight war das Zusammentreffen von mir und „meinem“ Autor Lukás Cabala, den ich an diesem Tag unzählige Male begrüßt habe, weil die Einstellung aus mehreren Perspektiven (von nur einem Kameramann) gefilmt werden sollte. In der Stadtbibliothek, die nach Michal Rešetka (1794–1854, bedeutender Sammler und Herausgeber slowakischer Bücher, der sich stark für die Volksbildung engagiert hat) benannt ist, wurden Lukáš und ich dann ausführlich interviewt, u. a. auch zu kulturpolitischen Themen. Den Abschluss machten einige Aufnahmen von der Burg, die einen wunderbaren Blick über das Tal bot.

Herausgekommen sind ein kurzer TV-Beitrag (1:50 min.) in den Nachrichten von MDR Aktuell vom 28. Juni, der leider nur eine Woche online war, und ein spannender Hörfunkbeitrag auf Deutschlandfunk Kultur, der seit dem 26. Juni 2026 online bereitsteht: Stefanie Bose: Stadtschreiberin der slowakischen Kulturhauptstadt Trenčín. Und wer mehr wissen möchte: Marianne Allweiss hatte auch schon im Januar für die Tagesschau berichtet – Kulturhauptstadt in der Slowakei. Trenčín trotzt Ficos Kulturpolitik.
Wer mit Büchern arbeitet, kommt um Bibliotheken nicht herum
Gleich zu Anfang meiner Zeit in Trenčín habe ich den Kontakt zur Stadtbibliothek gesucht, die natürlich auch mit Projekten am Kulturhauptstadtjahr beteiligt ist, und wurde mehr als freundlich aufgenommen. Für die Zeitschrift Knihovník, die über die Aktivitäten der Bibliotheken in den Kreisen Trentschin/Trenčín, Neustadt an der Waag/Nové Mesto nad Váhom, Banowitz/Bánovce nad Bebravou und Myjava informiert, habe ich für die Ausgabe 1/2026 einige Fragen beantwortet (noch nicht online). Das Informationsblatt erscheint seit 1981 zweimal jährlich und liegt auch in elektronischer Form vor.

Außerdem hat die Bibliothek auch auf Social Media über unseren Besuch berichtet: hier in diesem Instagram-Video von hinter den Kulissen und bei Facebook mit einigen Fotos. Auch das ORF habe ich zum Dreh (7.7.) in die Bibliothek mitgenommen, denn dort ist es ruhig und wir bekommen die beste Unterstützung.
Zwischen Film, Radio, Print und Digital – Trenčín ist in aller Munde

In der Woche vom 15. bis zum 18. Juni war dann ein junges Filmteam vom Gymnasium des MedienCampus Babelsberg zu Besuch, das die Aufgabe hat, einen Dokumentarfilm über mich als Stadtschreiberin herzustellen. Wir haben jede Menge Material im Kasten, das nun bis Anfang 2027 bearbeitet und zusammengeschnitten werden muss. Zu dieser turbulenten Woche gibt es hier einen ausführlicheren Beitrag.
Begegnet bin ich aber auch Bertram Nickolay aus Berlin, der in Trenčín u. a. Orte besucht hat, die mit der jüdischen Geschichte verbunden sind, weil er einen größeren Beitrag über das jüdische Leben in Trenčín für das Magazin Jüdisches Europa verfasst.
Im Juli hatte ich Besuch von der Kulturredaktion des ORF (Barbara Pichler-Hausegger), mit der wir ebenfalls in der Stadtbibliothek und der Innenstadt (im gemütlichen Gärtchen des Cafés KavART) gedreht haben. Leider hat es das Material dann nicht in den Beitrag geschafft. So ist das eben, die Sendezeit ist immer knapp, aber vielleicht ergibt sich eine andere Verwendung; der Kameramann hat sich so viel Mühe für schöne Aufnahmen gegeben!

Begegnungen am Iron Curtain: Außerdem habe ich Beatrix Flatt getroffen, die mich über meinen Blog gefunden und angesprochen hat. Sie ist Journalistin aus Niedersachsen und war im letzten und in diesem Jahr mit dem Fahrrad am ehemaligen Eisernen Vorhang unterwegs. Dieses hochinteressante Projekt begleitet sie ebenfalls mit einen Reiseblog, auf dem es auch mehrere Beiträge zu ihren Erlebnissen in der Slowakei gibt (u. a. zum Treffen mit mir vom 25.07.2026).
Zu Besuch in der Rundfunkpyramide: Auch Radio Slowakei International hat mich zum Gespräch eingeladen. Mit Redakteur Kay Zeisberg, den ich noch aus Leipzig kenne, bin ich in gutem Kontakt. Aus Leipzig habe ich ihm immer wieder mal Hinweise zu Themen geschickt, die vielleicht auch im slowakischen Auslandsradio interessant sein könnten. Diesmal war ich sogar selbst das Thema und zum ersten Mal vor Ort im Studio – und das ist wirklich eine Besonderheit.




Die Rundfunkpyramide in Bratislava steht im Verzeichnis der nationalen Kulturdenkmäler und wurde auch zum Bauwerk des 20. Jahrhunderts gewählt (mehr dazu hier). Im Juli 2024 hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Slowakei, zu dem auch verschiedene Auslands- und Nationalitätenredaktionen gehören, eine völlige Umstrukturierung erfahren. (Der Standard berichtete ausführlicher zu den Hintergründen.) Das zog massive Proteste, auch der Angestellten, nach sich. Durchgesetzt wurde die Maßnahme auf parlamentarischem Weg trotzdem, der öffentlich-rechtliche RTVS (Rozhlas a televízia Slovenska) in den Staatssender STVR (Slovenská televízia a rozhlas) umbenannt und Mitarbeiter:innen entlassen. Andere sind freiwillig gegangen, aus Solidarität oder persönlichen Gründen. Das habe ich schon von mehreren gehört, die für oder mit dem Rundfunk gearbeitet haben. Kay sagte mir im Vorgespräch, dass er alles sendet, was ich sage und freigebe, denn vorauseilende Autozensur mag er nicht und innerhalb des Auslandssenders RSI sei ihm diese bislang auch gar nicht notwendig erschienen. Als ich mit ihm über den Flur laufe, zeigt er lachend auf einen großen dort herumfahrenden Staubsauger-Roboter und meint, die Teppiche würden jetzt schlechter aussehen als zuvor. „Ganz schön bizarr“, kommentiert Kay, und der uns entgegenkommende Slowake nickt, ohne zu wissen, worum es gerade ging. Doch egal, was es war, bizarr trifft hierzulande bestimmt zu, steht in seinem Blick. Zwischen den Zeilen bemerke ich einen gewissen Galgenhumor bei einigen der Angestellten, aber nicht alle sind so kritisch oder trauen sich, es offen zu zeigen. Ich beneide niemanden, die Entscheidung treffen zu müssen: bleiben oder gehen?! Wenn alle kritischen Leute aus Protest weggehen, was oder wer bleibt dann übrig? Und wie geht es dann weiter?
Unser Gespräch lief am 6. August live im Radio und ist in der Mediathek des slowakischen Rundfunks STVR zu finden.
Im August wurde anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Rundfunk und 70 Jahre Fernsehen auf dem Gebiet der heutigen Slowakei eine Sonderausstellung im Foyer des legendären Rundfunkgebäudes auf der Straße Mýtna 1 eröffnet. Dazu gibt es einen mehrsprachigen Audioguide.

Wer Podcasts oder auditive Stadtrundgänge mag, dem empfehle ich den Beitrag Trenčín – Ein historischer Stadtspaziergang von Tobias Weger auf spiegelungen.net, einer Plattform für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas. Dort gibt es sogar eine Kategorie Kulturhauptstädte Europas, in der man weitere spannende Beiträge zu Trenčín findet.

Trenčín kann sich über Aufmerksamkeit also nicht beklagen, zumindest im Ausland besteht reges Interesse, und neben all dem Negativen, über das Medien nicht nur aus der Slowakei oft berichten, gibt es dadurch auch viele positive Impulse. Gelegentlich schafft es die Kulturhauptstadt aber auch in die landesweiten slowakischen Nachrichten, wie neulich der Rollstuhl-Stadtrundgang durch die Trenčíner Innenstadt.
